Lichtprojekt / Dokumentation

  1. Ideen & Recherche
  2. Konzept
  3. Organisatorisches
  4. Experimente
  5. Hintergrund
  6. Spiegel
  7. Phosphoreszenz
  8. Präsentation
  9. Analyse
  10. Fazit

Der Kunstunterricht des Gymnasiums Leonhard stellt uns die Aufgabe, ein Kunstwerk zum Thema Licht zu schaffen. Das kann eine Installation sein, eine Skulptur, ein Kurzfilm, oder was auch immer das Herz begehrt.


Ideen & Recherche

13.12.2023 – 05.01.2024

Meine erste Idee kommt mir, als ich vor dem Einschlafen darüber nachdenke, was auf unserer Welt eigentlich leuchtet. Einer meiner ersten Einfälle ist: »Fluoreszenz«.

Als ich über verschiedene Projektmöglichkeiten nachdenke, fällt mir auf, dass es zu dem unglaublich offenen, fast grenzenlosen Thema des Lichts vielleicht am originellsten wäre, eines der meistgenutzten Medien in der Kunstgeschichte zu nutzen.

Eine Leinwand.

Ich beschliesse, für mein Kunstprojekt zum Thema Licht ein Gemälde zu erschaffen, das zum Teil aus fluoreszierenden Farben, zum Teil aus Spiegeln besteht – und so das Licht nicht nur vortäuscht, sondern auch tatsächlich ausstrahlt.

In den nächsten Tagen suche ich überall in meiner Umgebung nach Licht und halte es fotografisch fest.

So entstehen diese Fotos :

Bildquellen

Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)


04.01. – 07.01.2024

Als Erstes erstelle ich eine chaotische Mindmap. Ich will herausfinden, was für Ideen mir besonders gefallen oder mich ansprechen. Eine meiner Lieblingsideen ist ein Junge in einem Hoodie, der auf einem vollgesprühten Zug sitzt und Musik hört. Aus dem Lautsprecher kommen phosphoreszierende Farben, die seine Gedanken widerspiegeln. Viel spiele ich mit dem Gedanken, eine Art Sehnsucht nach dem Wald / der kindlichen Magie zu künstlerisch zu repräsentieren.

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)

Ich verbringe drei Tage damit, mein Konzept für das Projekt zu schreiben und an Skizzen zu arbeiten. Zuerst kommt mir die Idee, eine graue Betonwüste aus Hochhäusern malerisch umzusetzen. Auf das wollte ich dann eine unsichtbare, phosphoreszierende Farbe auftragen, die die Stadt bei Nacht in einen leuchtenden, von Kreaturen und Monstern bevölkerten Ort verwandelt.

Mein Kunstlehrer, Herr Gross, weist mich jedoch daraufhin, dass das ein etwas »ausgelutschtes«, langweiliges Konzept wäre, da diese Idee schon viele Menschen umgesetzt hätten.

Also denke ich darüber nach, einen Wald mit einem kleinen Mädchen zu gestalten. Das Mädchen würde Augen aus Spiegelstücken besitzen, welche bei Tag blind das Licht reflektieren, und bei Dunkelheit die fluoreszierende Magie der Nacht sehen würden.

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)

Auch dieses Konzept verwerfe ich schlussendlich.

Konzept

Meine Ideen haben mich dazu gebracht, über unsere Vorstellung von Tag und Nacht nachzudenken. Für mich sind Tag und Nacht so etwas wie Geschwister, die verschiedene Seiten haben, aber doch sehr ähnlich sind. Der Tag kann zwar laut, extrovertiert und fröhlich sein, während die Nacht ruhig und magisch daliegt, doch manchmal sind die Tage still und regnerisch und die Nächte gefüllt mit Musik, Tanzen und Feiern. Genau wie Geschwister gibt es den einen nicht ohne den anderen, doch beide kommen gut alleine zurecht. Genau wie Geschwister haben Tag und Nacht ihre Licht- und Schattenseiten. Und genau das würde ich gerne darstellen.

Ich fange an zu skizzieren und bin doch nie vollständig befriedigt mit meiner Idee.

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)

Schliesslich muss ich mein Konzept abgeben und schreibe auf, was mir bis jetzt durch den Kopf geht.

Hier folgt ein Ausschnitt aus dem abgegebenen Text:

Auf einer Leinwand werde ich einen Gemäldehintergrund und eine grosse Sonne malerisch auftragen. Vor der Sonne wird ein kleines Mädchen schweben, das komplett aus den zusammengesetzten Bruchstücken eines Spiegels bestehen wird. An ihrer Hand wird sie einen ebenfalls schwebenden jungen Mann halten, der blass aufgemalt sein wird. Wenn direktes Sonnenlicht auf das Gemälde scheint, wird das kleine Mädchen strahlend funkeln und das Bild erglühen lassen. Sollte es jedoch Nacht werden, werden phosphoreszierende Farben, die über den Tag das Licht eingesammelt haben, den jungen Mann und den Nachthimmel zum Leuchten bringen und aus der Sonne einen glänzenden Mond machen.

Der Name meiner kleinen Schwester ist «Helia», was vom griechischen hḗlios, dem Sonnengott kommt. Mein Name ist «Lucius» – das stammt vom lateinischen (lux / lucis), also einfach „Licht“. Dementsprechend ist es für mich ein kurzer Gedankensprung, bei Licht an Geschwister zu denken. Die Sonne und der Mond werden vor allem in der koreanischen Prosa, aber auch in anderen Kulturen oft als Schwester und Bruder dargestellt. Ich halte das für eine äusserst schöne Symbolik, die ich gerne aufnehmen würde. Das Spiegelmosaik (Antike), das Gemälde (Renaissance) und die Phosphoreszenz (Moderne) repräsentieren verschiedene Formen der Kunst und der Darstellung des Lichts. Schlussendlich will ich die platonische Liebe als eines der hellsten Lichter in meiner Welt aufzeigen, und so auch dessen symbolische Gestalt erfassen.


Organisatorisches

08.01.2024

Ich versuche, Farben kaufen zu gehen, doch der Laden (Lachenmeier Farben) ist leider geschlossen.

Also mache ich mir weiterhin Gedanken, wie ich mein Werk gestalten könnte und suche nach Inspiration.

Bei einer Recherche finde ich heraus, dass ich eigentlich gar nicht an fluoreszierende Farben gedacht habe – welche nur bei Kontakt mit UV-Licht leuchten – sondern an nachleuchtende Farben, die über den Tag Licht einsammeln und dieses in der Nacht ausstrahlen. Das wird auch Phosphoreszenz genannt.

Die Idee von Farben, die unter UV-Licht leuchten, gefällt mir jedoch auch sehr, also beschliesse ich, beides zu besorgen und damit zu experimentieren.


10.01.2024

Ich kaufe bei Lachenmeier Farben sowohl phosphoreszierende und UV-reaktive Farben als auch einige Acrylfarben, die ich nicht zu Hause habe.

Bereits zu Hause habe ich einen grossen Wandspiegel, den ich einmal am Strassenrand gefunden habe, einige Pinsel und eine circa einen Meter hohe Leinwand.

Experimente

Ich beginne, mit einem Stück Holz, Spraydosen und Silberfarben zu experimentieren, um die besten Weisen herauszufinden, das Licht darzustellen. Parallel arbeite ich das »Geschwisterthema« aus und stelle Tag und Nacht als Silhouette zweier Menschen in einem Boot bei Sonnenuntergang dar – dem Bindeglied zwischen Tag und Nacht.


15.01. & 17.01.2024

Ich arbeite an meinem Probestück, merke jedoch, dass ich mit meiner Arbeit langsam in Verzug komme und baldmöglichst mit der finalen Leinwand beginnen sollte.

Leider habe ich extrem viele Prüfungen, Aufträge und muss meine Maturapräsentation vorbereiten, weshalb ich in der Zeit vor dem 29.01. (Datum der Präsentation) nur wenig Überstunden machen kann.

Das fertige Testprodukt sieht so aus:

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)


20.01.2024

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es ein gutes Konzept ist, zwei Geschwister darzustellen, die sich an der Hand halten. Es wirkt für mich ein wenig unsubtil, etwas flach.

Also denke ich darüber nach, die Idee der Geschwister Sonne und Mond als Gesicht darzustellen, dessen eine Seite Glanzpunkte aufweist, die aus Spiegeln bestehen, und dessen andere Seite phosphoreszierende Glanzpunkte besitzt. Ein Auge könnte die Sonne, das andere der Mond sein.

Es folgen einige, nur schlecht repräsentative Skizzen:

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)

Hintergrund

22.01.2024

Ich male den Hintergrund meines Kunstwerks mit einem grossen Pinsel auf einer Leinwand. Ich benutze hauptsächlich Primärcyan, Ultramarin, Schwarz und Weiss. Ich wähle einen eher abstrakten Stil, mit gut sichtbarem Pinselduktus. In meinem Werk geht es mir vor allem darum, meine Gefühle zu Licht und Leben zu vermitteln.

Somit passt der emotionale Malstil meiner Meinung nach sehr gut.

Trotzdem ist es mir wichtig, ein funktionierendes Farbenspiel und ein gut ausgewogenes Bild zu haben, darum verbringe ich mehrere Stunden mit der Perfektionierung des »Himmels.”

Hier ein Foto:

Ich und die Leinwand:

Danach sprühe ich mit einer kaputten Spraydose einige rote Spritzer an dunkle Stellen, um eine andere Dimension und einen subtilen Komplementärkontrast zu schaffen. Auf der »Sonnenseite« füge ich mit silberner Sprayfarbe im Licht glitzernde Sprenkler hinzu.

Hier einige Nahaufnahmen:

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23.01.2024

Ich probiere in Photoshop einige Sachen aus, um herauszufinden, was auf der Leinwand gut aussehen könnte. So kreiere ich diese grobe Skizze:

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Spiegel

24.01.2024

Ich nehme einen Wandspiegel, den ich am Strassenrand gefunden habe, einen Blumenkasten und einen schweren Hammer unter den Arm und begebe mich zu dem mir am nächsten Industriegebiet: Das Glaskeller-Areal. Ausgestattet mit Handschuhen, Schutzbrille und alten Militärstiefeln zerschlage ich hier den Spiegel.

Danach muss ich die Einzelteile mühsam aufsammeln und lagern. Das dauert länger als gedacht.

Hier sind einige der schönsten Stücke:

Diese will ich später in einer Weise im Lichtmosaik ausrichten, dass die spitzen Enden stets zur Sonne zeigen – und damit hoffentlich einen »Strahlen«-Effekt erzeugen.

Zudem arbeite ich weiter an meiner finalen Skizze.

Ich probiere aus, Fotos von mir und meiner Schwester zu kombinieren. Da wir doch eine sehr verschiedene Gesichtsform haben, ist das ziemlich kompliziert und ich brauche viel Zeit dafür. Ausserdem ist bis zu ihrem Geburtstag Geheimhaltung angesagt, da ich ihr das Projekt wahrscheinlich am Ende schenken werde.

Hier sind die bearbeiteten Fotos:

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25. und 26.01.2024

Ich nutze diese Fotos als Referenz, um mit einem digitalen Stift eine zweite Skizze zu machen. Ich entscheide mich, die leuchtende Hälfte des Gesichts, also die »Nacht« aus vielen kleinen Punkten aufzubauen. Das soll am Ende aussehen wie tausende von kleinen Sternen und die Spiegelhälfte komplimentieren. Mein Ziel ist es, mein Gemälde nur aus den hellen Stellen des Gesichts, also den Glanzpunkten aufzubauen und die Rolle des Schattens dem Hintergrund zu überlassen. So taste ich mich an eine weitere Ebene und Darstellungsform des Lichts heran. Hier die Skizze, einmal bei Nacht und einmal bei Tag:

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27.01.2024

Nun beginne ich damit, meine Skizze auf die Leinwand zu übertragen. Als Erstes trage ich mit Kreide eine wegwaschbare Zeichnung auf, um die Proportionen auch auf einer so grossen Fläche korrekt darzustellen. Das allein benötigt etwa anderthalb Stunden, da ich lange experimentieren muss, um unsere persönlichen Gesichtszüge zu erfassen und eine angenehme Proportion zu erhalten. Die Seiten dürfen nicht zu verschieden sein, da es sonst bizarr aussehen könnte. Zum Glück sind wir Geschwister, die relativ ähnlich aussehen. Dennoch versuche ich, unsere spezifischen Eigenheiten zu erfassen, da dies ein Kernpunkt meiner Arbeit ist. So sind unsere Nasen zum Beispiel verschieden geformt, die Augenwinkel meiner Schwester sind eher nach unten gerichtet, während meine eher horizontal stehen und mein Kiefer ist etwas kantiger und breiter.

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31.01. – 01.02.2024

Phosphoreszenz

Mit phosphoreszierender Farbe trage ich jetzt an strategischen Stellen kleine Punkte auf, um Schatten und Licht zu repräsentieren. Ich muss vorsichtig sein, nichts zu verschütten. Zudem dauert auch diese Arbeit relativ lange, da ich jeden Punkt einzeln auftragen muss.

Den Mond male ich mit einem sichtbaren Duktus auf, anstatt ihn durch Punkte zu repräsentieren. Das einerseits, da der Mond ja nicht aus Sternen besteht, aber auch, um seine Leuchtkraft zu erhöhen.

Hier ein Video, in dem ich das Licht ausschalte und die Leuchtkraft zur Geltung kommt:

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03.02.2024

Ich komplettiere die leuchtende Gesichtshälfte, indem ich einige Stellen ausbessere und manche Punkte durch doppeltes Auftragen sichtbarer mache. Zudem entferne ich die meisten Kreidereste.


04.02.2024

Diesen Tag habe ich mir für die Spiegelseite des Gesichts reserviert.

Jedoch habe ich offensichtlich zu wenig Zeit für diese Aufgabe eingeplant. Denn es geht nicht nur darum, schnell und effizient Spiegelstücke über die Skizze zu kleben. Ich muss für jedes einzelne Bruchteil eine ganze Reihe von Schritten durchgehen:

  • Überlegen, welche Grösse ich wo einsetzen will (30 Sekunden)
  • Das perfekt passende Spiegelstück auf einem Kartonstück mit etwa 350 Stückchen suchen (20 Sekunden – 3 Minuten)
  • Das Spiegelstück hinten mit Kleber bestreichen (15 Sekunden)
  • Es festdrücken (5 Sekunden)
  • Etwaige Klebereste um den Rand herum wegwischen (30 Sekunden)

Da es sehr kleine und sehr grosse Stücke gibt, brauche ich für jedes Bruchteil etwa 3 – 4 Minuten Zeit. So arbeite ich ohne Übertreibung mehr als sechs Stunden an dieser Gesichtshälfte und bin erst um 00:30 Uhr fertig und zufrieden.

Nun poliere ich die einzelnen Spiegelteile mit Glasreiniger, entferne die letzten Klebereste und wische, so gut es geht, die Überbleibsel der Kreideskizze weg.

Ich bin total kaputt, aber glücklich mit dem Ergebnis und überrascht, dass ich meine Schwester und mich ziemlich gut erkennen kann.

Hier ist das fertige Resultat:

In Realität sieht das Kunstwerk jedoch immer anders aus, da besonders im Falle der Spiegel das Umgebungslicht eine grosse Rolle spielt.

Es folgen einige Fotos von verschiedenen Perspektiven und Winkeln:

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Bis hierhin sind alle Bilder in der Dokumentation gemalt, inszeniert & fotografiert von mir (Lucius Nepomuk Amberg)


Präsentation

Nach der Abgabe habe ich vor, mein Werk neben einem Fenster an die Wand zu hängen – wenn sie will, im Zimmer meiner Schwester. So kann die Sonne am Tag die Spiegel glänzen lassen und die leuchtende Farbe anregen. Am Abend wird diese dann bei Dunkelheit für 15 – 20 Minuten weiterglühen, bevor sie langsam erlischt und keinen Schlaf mehr stört.

Für die schulische Präsentation will ich die Leinwand meinem BG-Lehrer Herrn Lucco in einem abgedunkelten Raum mit hellen Lampen vorzeigen und dann das Licht ausschalten. Mein Kunstwerk ist keine bombastische Präsentation wert, es ist schlicht und einfach eine Ode an Tag, Nacht, Geschwisterliebe, Ruhe und Natur.


Analyse

Alles in allem hat mein Werk, abgesehen von der Geschwister-Thematik, doch keine koreanischen Einflüsse aufzuzeigen. Auch die naturalistischen und fantastischen Bilder von Pinterest, die in meinem Konzept enthalten waren, haben meine Arbeit nicht merklich bestimmt. Als ich den selbst gemalten blauen Himmel einem Freund von mir gezeigt habe, hat er geantwortet, dass es ihn an Vincent Van Goghs »Sternennacht« erinnert – eine Inspiration, die bestimmt das Endprodukt beeinflusst hat und an die ich auch teilweise während des Malens gedacht habe.

Die glühende Seite des Gesichts könnte man entfernt als naturalistisch bezeichnen, da ich auf einigermassen korrekte Lichtverhältnisse geachtet habe, doch alles in allem ist meine Kreation eher abstrakt. Vor allem die spiegelnde Hälfte ist erst auf zweitem Blick als Gesicht erkennbar und dient mehr als Repräsentation des Sonnenlichts und weniger als akkurate Darstellung eines menschlichen Gesichts.

Einflüsse des Surrealismus und Symbolismus lassen sich in Konzept und Umsetzung erkennen. Ich würde mein Werk jedoch in die Rubrik der Zeitgenössischen Kunst einordnen. Auch wenn es nicht explizit moderne, politische Themen anspricht, benutze ich doch relativ neuartige Methoden und mische verschiedene Stils und Abstraktionsgrade. Ein Merkmal der Zeitgenössischen Kunst ist, dass sie sich an keine bestimmten Regeln, Materialien oder Konzepte bindet, und ich würde behaupte, dass ich in diese Richtung gehe, oder zu gehen versucht habe.

Eine Rückwärtssuche mit meinem Bild auf Google ergab einige Bilder von Aliens, computergenerierten Menschen und blau leuchtenden Robotern. Werke, die meiner Arbeit stark ähnelten, habe ich im Internet nicht gefunden.

Somit kann man sagen, dass ich etwas Neues ausprobiert habe und mit »Geschwister« ein eigenständiges Kunstwerk entstanden ist.


Fazit

Während dieser Arbeit habe ich gelernt, dass es Spass macht, mich nur auf Schatten und Licht zu fokussieren. Das Erstellen der phosphoreszierenden Hälfte verlief deutlich reibungsloser und schneller als das der spiegelnden Hälfte. Ich finde persönlich auch, dass Erstere besser aussieht und man mein Gesicht besser erkennen kann. Das liegt vor allem daran, dass die kleinen, frei setzbaren Punkte mir als Künstler eine weitaus grössere Freiheit ermöglichen, als die verschieden grossen, steifen Spiegelstücke. Dass die spiegelnde Seite eine grössere Herausforderung sein würde, war mir seit der Ideenfindung klar, jedoch war mir nicht bewusst, dass sie einen so immensen Zeitaufwand darstellen würde.

Das Malen des Hintergrundes hat mir auch viel Freude bereitet. Das abstrakte Experimentieren mit nur verschiedenen Blautönen war ein besonderes Erlebnis für mich, da ich bis jetzt vor allem mit illustrativeren Elementen gearbeitet habe. Zudem hat mir das Bemalen des Holzbretts gezeigt, dass es durchaus funktionieren kann, Sprühfarbe mit Acryltechnik zu mischen. Die roten und silbernen Spritzer auf dem finalen Kunstwerk funktionieren meiner Meinung nach sehr gut, und ich werde diese Technik in zukünftigen Arbeiten bestimmt weiter nutzen.

Auch die Dokumentation dieses Projekts war ein wertvolles Erlebnis, da diese mir die Chance gegeben hat, meine Aktionen zu überdenken und eine distanziertere Herangehensweise zu meinem Schaffen zu gewinnen. Ohne diese Aufgabe hätte ich wahrscheinlich meine erste Idee im Konzept umgesetzt und wäre weniger zufrieden mit dem Endresultat gewesen.

Schlussendlich habe ich mir ein bisschen zu hohe Ziele gesetzt – oder meine Zeit schlecht eingeteilt – bin aber dank selbst induziertem Schlafmangel doch noch fertig geworden.

Ich freue mich, mein Werk meiner kleinen Schwester zu schenken und bin dankbar für diese Möglichkeit im Rahmen des BG-Unterrichts.

Vielen Dank fürs Lesen!

Lucius Amberg